Wenn die Meere steigen – Klimawandel bedroht Weltwirtschaft

Wenn die Meere steigen – Klimawandel bedroht Weltwirtschaft

Die Polarkappen schmelzen, der Meeresspiegel steigt — und das schneller als gedacht. Neben dem Verlust von Lebensraum für Pflanzen, Tiere und Menschen bedroht der Anstieg der Ozeane auch die Weltwirtschaft. Denn: Über die Hälfte der Erdbevölkerung lebt derzeit in Städten und erwirtschaftet 80 Prozent des weltweiten Bruttoinlandsprodukts. Wenn die Meere steigen, sind Metropolen wie Tokio, Shanghai und New York unmittelbar davon betroffen.

Prognostizierte der Weltklimarat (IPCC) in seinem Bericht aus dem Jahr 2007 noch einen Meeresspiegelanstieg von rund einem halben Meter bis ins Jahr 2100, ist in neueren Untersuchungen von fast einem Meter die Rede. Für Küstenstädte wird es somit immer schwieriger und teurer auf die Herausforderungen zu reagieren: Schutzwerke müssen erweitert, Deiche erhöht werden.

Werfen Sie einen Blick in die Zukunft — und sehen Sie, wie die Welt im Jahr 2100 aussehen könnte: Steigt der Meeresspiegel um einen Meter, wäre Hamburg eine Küstenstadt.

Doch die Meere sind nicht die einzige Bedrohung. Auch Städte und Regionen, die nicht an der Küste liegen, bekommen die Folgen der Erderwärmung zu spüren: Stürme, Hitzewellen, Überschwemmungen und Dürren treten infolge des Klimawandels häufiger auf oder verstärken sich. Auch wenn sich die Auswirkungen von Region zu Region unterscheiden, sind sich die Experten einig: Die Länder des Südens treffen die Folgen am stärksten — wie der Klima-Risiko-Index zeigt.

Viele Städte entwickeln daher bereits Strategien, um sich besser für die Globale Erwärmung zu rüsten. Einen Überblick darüber gibt die Studie des CARBON DISCLOSURE PROJECT. Es hat die Bemühungen von über 200 Städten ausgewertet und zusammengefasst(PDF): Viele Städte sehen die größten Herausforderungen vor allem in den Bereichen Infrastruktur und Transport. Aber auch auf andere Wirtschaftszweige wirken sich die Umweltveränderungen aus — von der Lebensmittelproduktion über das Dienstleistungsgewerbe bis hin zur Tourismusindustrie.

Wie sich die Folgen des Klimawandels auf die gesamte Weltwirtschaft auswirken, zeigt Ihnen ein kurzes Erklärvideo.

Detaillierter untersuchte der ehemalige Chefökonom der Weltbank Nicholas Stern die Auswirkungen der Globalen Erwärmung im Jahr 2006: Der nach ihm benannte „Stern-Report“(PDF) kommt unter anderem zu dem Ergebnis, dass sich die weltweite Wirtschaftskraft durch den Klimawandel um bis zu ein Fünftel verringern könnte. Nur wenn sich alle Staaten gemeinsam den Herausforderungen stellen und die Treibhausgas-Emissionen dauerhaft senken, können die Folgen noch eingedämmt werden. Wie das gelingen kann und dass sich Wirtschaftswachstum und Klimaschutz verbinden lassen, zeigt der neue „Stern-Report“ Better Growth – Better Climate. Vorausgesetzt: Innerhalb der nächsten 15 Jahren wird massiv in Wirtschaftsbereiche investiert, die klimaschonend wachsen können.

Denn die Zeit drängt: Jahr für Jahr steigt der globale CO2-Ausstoß. Erst gestern berichtete die Weltorganisation für Meteorologie (WMO), dass die Konzentration von Kohlendioxid seit 30 Jahren nicht mehr so stark angestiegen ist wie zwischen den Jahren 2012 und 2013.

Statistik: Entwicklung des weltweiten CO2-Ausstoßes von 1990 bis 2012 (in Milliarden Tonnen) | Statista
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Betrachtet man den Anteil der Wirtschaftsbereiche an den weltweiten Treibhausgas-Emissionen, spielen die Erzeugung von Wärme und Elektrizität, die Industrie sowie die Forst- und Landwirtschaft die größte Rolle.

Infografik: Treibhausgas-Emissionen nach Wirtschaftsbereich | Statista

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Aber auch in Deutschland nehmen die Treibhausgas-Emissionen jährlich zu. Zentrale Ziele der Energiewende wie die Reduzierung der Treibhausgase um 40 Prozent gegenüber 1990 bis ins Jahr 2020 sind in weite Ferne gerückt — das zeigt eine neue Studie der Unternehmensberatung McKinsey. Sonderlich beeindruckt davon scheint die Bundesregierung nicht zu sein: Letzte Woche wurde bekannt, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel nicht am Sonderklimagipfel der Staatschefs am 23. September in New York teilnehmen wird.